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Einwanderung in einer libertären Gesellschaft
Der libertäre Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr.
Hans-Hermann Hoppe
(University of Nevada, Las Vegas;
www.hanshoppe.com)
belegt in seinem
auch außerhalb des libertären Spektrums vieldiskutierten Buch
"Demokratie. Der Gott, der
keiner ist" (Edition Sonderwege bei
Manuscriptum, Leipzig 2003), daß eine nicht-restriktive
Zuwanderungspolitik immer zu einer Verletzung von
Privateigentumsrechten führt und somit dem Ideengut des klassischen
Liberalismus, der sein intellektuelles Rüstzeug aus der
Österreichischen Schule bezieht, geradezu zuwiderläuft.
Auf den Seiten der US-Libertarianer
www.lewrockwell.com
äußerte er sich zu der Frage, inwiefern sich Privateigentum und "freie
Einwanderung" als Prinzipien wirklich miteinander vertragen.
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Kann ein Geschäftsmann in einer Freien Marktwirtschaft jeden beliebigen
Einwanderer anheuern?
Von Hans-Hermann Hoppe
Die Annahme, ein Einwanderer sei willkommen, nur weil er jemanden
gefunden hat, der bereit ist ihn für eine Zeitlang zu beschäftigen, ist
falsch. Um es klar zu sagen: Diese Annahme ist nur dann richtig, wenn
der Arbeitgeber auch bereit ist für sämtliche Folgekosten, die er
Einwanderer hervorruft, aufzukommen. Dies wäre der Fall in dem verleumdeten Modell der
"Stadt AG", die von einem Eigentümer besessen
und verwaltet wird. Hier müßte der Inhaber der "Stadt AG" für sämtliche
Kosten für Beschäftigung, Unterbringung, Gesundheitsversorgung und all
die anderen Annehmlichkeiten, die der Einwanderer in Anspruch nimmt,
aufkommen. Das Eigentum von Dritten wäre durch die Einwanderung also
nicht beeinträchtigt.
Nicht ganz so perfekt (und das in zunehmendem Maße) ist das Modell von
der Übernahme der Gesamtkosten durch die Schweizer Einwanderungspolitik
geregelt. In der Schweiz werden Fragen der Einwanderung auf lokaler
statt auf bundesstaatlicher Ebene entschieden - und zwar genau in der
Gemeinde, in der der Einwanderer leben möchte. Diese Gemeindemitglieder
wünschen natürlich, daß die Anwesenheit des Einwanderers ihre eigenen
Vermögenswerte erhöht statt verringert. In so attraktiven Plätzen wie
der Schweiz bedeutet dies, daß der Einwanderer (oder sein potentieller
Arbeitgeber) sich in die Gemeinde einkaufen muß, was gelegentlich
Spenden in Millionenhöhe ausmacht.
Der Sozialstaat ist jedoch nicht so vorteilhaft wie die "Stadt AG",
nicht einmal wie eine Schweizer Gemeinde, verwaltet. Unter den
Rahmenbedingungen eines Sozialstaats zahlt der Arbeitgeber des
Einwanderers nur einen kleinen Teil der Kosten, die die Anwesenheit des
Einwanderers für die Gemeinschaft hervorruft. Er wälzt (sozialisiert)
einen substantiellen Teil dieser Kosten auf Dritte ab. Der Einwanderer
kann alle Einrichtungen des Sozialstaates nutzen: Straßen, Parks,
Krankenhäuser, Schulen. Und kein Adliger, kein Geschäftsmann und keine
Privatperson hat das Recht in Hinblick Wohnen, Beschäftigung,
Versorgung oder Koalitionsbildung zu diskriminieren. Da ist ferner, daß
der Einwanderer eingeladen wird zu einem ganzen Bündel von
Sozialleistungen. Und dieses Bündel wird nicht (oder nur zu einem
geringen Anteil) von dem Arbeitgeber des Einwanderers, der angeblich
die Einladung ausgesprochen hat, bezahlt. Vielmehr wird das
Sozialleistungsbündel von anderen Gemeindemitgliedern (zum Beispiel den
Steuerzahlern), die überhaupt nichts mit der Einladung zu tun hatten,
gezahlt. Das ist nicht das, was man gemeinhin unter einer Einladung
versteht. Dies ist schamlose Ausbeutung. Es ist so, als lud man Fremde
ein, um das eigene Haus zu renovieren, während man sie aus dem
Kühlschrank seines Nachbarn ernährt.
Konsequenterweise kommen mehr Einwanderer auf Einladung von
Arbeitgebern, wenn die Kosten für den Import von Einwanderern sinken.
Überdies verändert sich auch der Charakter der Einwanderer. So wählen
Schweizer Gemeinden fleißige, sehr produktive Einwanderer aus, deren
Anwesenheit zum Nutzen aller in der Gemeinde ist. In demokratischen
Wohlfahrtsstaaten ermöglichen Gesetze den Arbeitgebern die Kosten für
ihre Billig-Arbeitskräfte anderen aufzuerlegen. Diese Arbeitgeber
tendieren dazu, zunehmend billige, schlecht ausgebildete und wenig
produktive Immigranten ins Land zu holen, ohne einen Gedanken daran zu
verschwenden, welche Auswirkungen dies auf die Eigentumswerte der
Gemeindemitglieder hat.
Die linkslibertäre "Die-Tür-macht-auf-die-Tor-macht-weit"-Forderung ist
ideologisch bankrott und kann nur psychologisch verstanden werden. Die Rand'sche (Ayn Rand, Anm. d. Ü.) Schaffung so vieler Linkslibertärer
ist einer der Gründe. Bigbusiness-Geschäftsleute werden von denen als
Helden portraitiert. Ayn Rand hat sie - in einem ihrer eher
lächerlichen Statements - als die vom Wohlfahrtsstaat "am stärksten
verfolgte Minderheit" bezeichnet. Nach dieser Weltanschauung (die frei
ist von historischen Kenntnissen oder persönlichen Erfahrungen) kann es
nicht falsch sein, wenn ein Unternehmer einen Fremden beschäftigt, oder?
In Wirklichkeit versündigen sich - und jeder Historiker weiß das -
gerade die Vertreter des Großkapitals sowohl an privaten
Eigentumsrechten wie auch an den Marktgesetzen. Neben anderen Dingen
haben sie in einer unheiligen Allianz mit dem Sozialstaat das Privileg
erworben, Einwanderer auf Kosten der Allgemeinheit importieren zu
dürfen. (So wie sie das Recht erworben haben, ihr Kapital in fremde
Länder zu exportieren. Gehen ihre Geschäfte dort schief, dann kommt der
Steuerzahler für den Schaden auf, und das Militär muß ihnen aus der
Patsche helfen.)
Das zweite Motiv für den Offene-Grenzen-Enthusiasmus unter den
Linkslibertären ist ihr Egalitarismus. Sie sind als Jugendliche wegen
ihrer anti-autoritären Haltung zum Libertarismus gestoßen. Außerdem
waren sie begeistert von der Toleranz, vor allem gegenüber alternativen
(nicht-bürgerlichen) Lebensstilen. Als charakterlich wenig gefestigte
Jugendliche sind viele von ihnen mal mit dem Gesetz in Konflikt
gekommen. Sie sind daher besonders sensibel, wenn es um irgendeine Form
von Diskriminierung geht. Und niemand hindert sie daran, die Macht des
Zentralstaates zu benutzen, um der Gesellschaft
Anti-Diskriminierungs-Gesetze aufzudrücken. Daraus folgt, daß sie
bereit sind auf anderer Leute Kosten zu leben, indem sie es ihnen
untersagen mit ihrem Eigentum Dritte zu diskriminieren. So können sie
sich ihrem alternativen Lebensstil hingeben ohne den normalen Preis zum Beispiel Diskriminierung und Ausschluß anderer) für dieses
Verhalten zu zahlen. Um dies alles zu rechtfertigen, behaupten sie, daß
jeder Lebensstil so gut und akzeptabel wie jeder andere sei. Dies führt
erst zum Multikulturalismus, dann zum kulturellen Relativismus und
schließlich zu "Offenen Grenzen".
Weitere Informationen in "Demokratie, der Gott der keiner ist", Kapitel
7 (Über freie Einwanderung und erzwungene Integration), Kapitel 8 (Über
freien Handel und beschränkte Einwanderung)
Aus dem Englischen: Ronald Gläser |
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