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Privatisierung der Universitäten

 

FRAGE: Seitdem das Verbot von Studiengebühren vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde, wird bundesweit über das Für und Wider von Studiengebühren gestritten. Welche Position nimmt die Libertäre Hochschulgruppe zu diesem Thema ein?

Wir sind gegen die Einführung von Studiengebühren im jetzigen System. Es ist schon schlimm genug, daß sich der Staat bereits über 50% der Einkommen seiner Bürger krallt. Trotz der Beteuerung vieler Politiker, die Gelder ausschließlich den Universitäten zugute kommen zu lassen, werden sie früher oder später im Sog der Haushaltslöcher verschwinden. Ähnliches passiert heutzutage etwa schon mit den Steuerleistungen der Autofahrer.

 

FRAGE: Die Libertären sind also für die Beibehaltung eines kostenlosen Studiums?

Moment. Die Fragestellung enthält schon einen großen Irrtum: Kostenlos ist das Studium im Moment ganz und gar nicht. Vielen Studenten ist nicht bewußt, daß für jeden Studienplatz umgerechnet Tausende von Euro anfallen. Diese Mittel nimmt sich der Staat nicht aus dem Nichts, sondern dafür müssen die produktiven Kräfte (Unternehmer und Arbeiter) aufkommen, die vielleicht schon direkt nach der Hauptschule in einem Betrieb tätig sind. Dies tun sie nicht freiwillig, sondern sie werden durch Steuereintreibung – also Gewalt – dazu gezwungen.

Das fremdfinanzierte Studium ist derweil für den Studenten eine Investition in die eigene Zukunft. Im Durchschnitt wird der Akademiker später mehr verdienen als Nicht-Akademiker. Deshalb sehen wir es als gerecht an, daß die Studenten für ihre Ausbildungsleistung selbst aufkommen. Ungerecht ist das jetzige System, wo die Krankenschwester die Ausbildung des Chirurgen finanziert oder wo der Arbeiter für das Studium eines Managers aufkommt.

Daher spricht sich die libertäre Hochschulgruppe für die Privatisierung der Universitäten aus.

 

FRAGE: Und wie würde sich denn die Universitätenlandschaft nach einer Privatisierung verändern?

Steuerfinanzierte bürokratische Einrichtungen wie die heutigen Unis haben es nicht nötig, effizient und kunden- bzw. studentenorientiert zu arbeiten. Auf diese Art dauert das Studium viel länger als nötig, und es wird nicht arbeitsmarktgerecht ausgebildet, nicht einmal beim Lehramt, wo man zumindest erwarten könnte, dass der Staat dafür sorgt, dass seine zukünftigen Lehrerbeamten eine ordentliche Ausbildung genießen. Durch derlei Misswirtschaft wird nicht nur unsere Bildung, sondern die gesamte Volkswirtschaft blockiert. Privatisierte Unis dagegen können es sich nicht leisten, unzufriedene Studenten mangelhaft auszubilden, da ihre Kunden ansonsten zur Konkurrenz gehen, die sie mit Kusshand aufnimmt. Heute dagegen werden Studenten von ZVS und anderen bürokratischen Molochen, aber auch von den lebenslang verbeamteten Professoren, oft als untertänige Nümmerchen und nicht wie Kunden behandelt. Unter den Talaren gibt es also noch einiges zu lüften!

 

FRAGE: Aber das bedeutet ja, dass  private Unis zur Finanzierung auch Studiengebühren verlangen würden. Sie hatten doch weiter oben ausgeführt, dass Sie gegen Studiengebühren sind?

Private Unis würden von ihren Kunden bzw. Studenten für die angebotene Leistung eine Gegenleistung, zum Beispiel in Form von Gebühren, verlangen; das ist richtig. Wie oben jedoch erwähnt, ist der Staat nicht gebunden, was er mit seinen finanziellen Mitteln anfängt. Die Bürger sind für ihn nicht Kunden, sondern Untergebene. Anders sieht es bei Privatuniversitäten aus, die in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Hier ist eine Uni quasi durch den Marktmechanismus dazu gezwungen, ihre Einnahmen in den Bildungsbetrieb zu investieren.

Wenn eine Uni etwa hohe Gebühren verlangt und gleichzeitig ihre Abschlüsse wie Freilose verteilt, würde sich dies dementsprechend auf den Ruf und folglich auf die Nachfrage von Studenten auswirken.

 

FRAGE: Aber die ehemaligen Studenten zahlen doch durch ihre Steuern der Gesellschaft alles mehr als zurück?

Zunächst muß man sich fragen, was sich hinter dem Begriff „Gesellschaft“ verbirgt. Im heutigen Sprachgebrauch kommt es als heiliges abstraktes Wesen daher, dass über einen eigenen Verstand und über eigene Rechte verfügt. Dies ist aber grundfalsch – nur Individuen haben einen eigenen Verstand und verfügen über Rechte, was wir an folgendem Beispiel verdeutlichen wollen: Wären alle 82 Millionen Menschen in Deutschland auf einen Schlag verschwunden, würde auch keine deutsche Gesellschaft mehr existieren. Der Begriff „Gesellschaft“ taugt also nur zur Deskription einer Bevölkerungsansammlung auf einem bestimmten Territorium. Wenn wirklich „die Gesellschaft“ etwas wollen würde, dann wären alle einer Meinung, und es würde geschehen – gänzlich ohne Politik. Heutzutage wird er häufig als Schutzwall für eigene Interessen verwendet, wenn man zum Beispiel sagt „die Gesellschaft hat ein Interesse an Theateraufführungen“ bedeutet das nichts anderes als „ich möchte meinen Theaterbesuch von anderen finanziert bekommen“.

Doch zurück zum Beispiel. Keineswegs ist es so, dass alle Studenten ihre Studienleistung zurückzahlen. Was ist mit dem arbeitslosen Soziologie-Doktor? Oder mit dem Heer aus Politologen und Verwaltern, die ihr ganzes Leben auf Kosten des Steuerzahlers leben? Anderseits gibt es viele Besserverdienende, die nicht studiert haben. Und kann man wirklich garantieren, dass genau diejenigen das Geld wiederbekommen, von denen damals die Steuern erhoben worden sind oder, dass genau dieses Geld wieder in den Universitäten reinvestiert wird und nicht im Haushalt verschwindet?

Zieht man den Begriff der „Gesellschaft“ heran, dann bedeutet dies bloß Vernebelung bzw. Unübersichtlichkeit der Kosten. Wir Libertäre setzen diesem Begriff daher die Eigenverantwortung entgegen, also dass jeder für seine eigenen Kosten aufkommt und dafür auch die Früchte seiner Arbeit behalten kann.

 

FRAGE: Aber wo bleibt denn da die soziale Gerechtigkeit? Was ist etwa mit dem dummen und faulen Millionärssohn, dessen Studium von seinen reichen Eltern finanziert wird? Und was ist mit dem klugen und fleißigen Mädchen, das aus ärmlichen Verhältnissen kommt  und deren alleinerziehende Mutter das Geld niemals aufbringen kann?

Obwohl uns dieses Szenario als äußerst unrealistisch erscheint (man beachte die Herkunft der meisten Studenten in Deutschland), werden wir es durchgehen. Erstens, eine private Universität wäre zum Glück ein gewinnorientiertes Unternehmen. Für sie ist es äußerst wichtig, in den diversen Ranglisten weit oben zu stehen. Dies fördert das Renommée, und die Ausbildung von Spitzenkräften für die Wirtschaft lockt diverse Unternehmen als Investitionsquelle an. Warum sollte daher eine Universität eine talentierte Arbeitertochter ablehnen? Sie würde sich damit doch nur ins eigene Fleisch schneiden! Wenn die Studentin über herausragende Qualifikation und Studienresultate verfügt, steigert sie so das Renommee und damit den Marktwert der Universität. Dies lockt den faulen Millionärssohn an, der jedoch nur für teures Geld studieren darf.

Zweitens, in unserer Gesellschaft gibt es unzählige Unternehmen, die gewinnorientiert wirtschaften, wie etwa Banken. Eine Bank weiß, dass talentierte junge Studenten die Spitzenkräfte der Zukunft sind und daher ein minimiertes Risiko des Kreditausfalls mitbringen. Dementsprechend würde sie günstige Studienkredite anbieten, zumal sie auch noch in Konkurrenz zu anderen Banken steht.

Drittens, könnte sich unsere Studentin ihr Studium auch von einem Stipendium finanzieren lassen. In der Tat sind Stipendien hierzulande weniger verbreitet als anderswo, was damit zu tun haben dürfte, dass hierzulande der Staat durch Steuermittel ein „kostenloses“ Studium in dem Maße ermöglicht, wie es kaum irgendwo üblich ist.

Viertens, könnten auch Unternehmen als Finanziers einspringen. Im jetzigen System tritt dies in der Tat nicht auf, weil Unternehmen ihre zukünftigen Angestellten „kostenlos“ vom Staat ausgebildet bekommen. An einer Privatuni, wo Studenten selbst für ihre Bildung aufkommen, sind Unternehmen aus Wettbewerbsgründen schon eher an einer Beteiligung interessiert. Außerdem könnten sich Studenten verpflichten, nach einem erfolgreichen Studium für eine bestimmte Firma zu arbeiten, wenn diese die Studienkosten übernimmt.

Wer für unsere vier Punkte einen empirischen Beweis sehen möchte, der blicke in die USA: Hier kommen mehr Studenten aus der Unterschicht, trotz – oder besser wegen – Studiengebühren, weil es die Anreizstellung weg von „Studieren aus Spaß“ hin zu Leistungsbereitschaft und Kosten-Nutzen-Allokation lenkt.

 

FRAGE: Aber würde nicht die Forschung bei gewinnorientierten Universitäten unter die Räder kommen? Was wird aus Studiengängen, die am Arbeitsmarkt kaum nachgefragt werden, aber einen hohen kulturellen Wert haben?

Gerade Privatunis sind es – zum Beispiel in den USA, Großbritannien und in anderen Ländern – die über einen exzellenten Ruf aufgrund ihrer Forschungsausgaben verfügen. Erhält etwa ein Absolvent einer bestimmten Universität eine Auszeichnung (zum Beispiel den Nobelpreis) steigert dies auch das Renommee der betreffenden Universität. Dieser Faktor wurde bereits in der vorherigen Frage behandelt.

Was die Studiengänge betrifft, die „Kulturgut“ darstellen, aber sich am Markt nicht halten würden: Der Markt ist kein von den Menschen losgelöstes Wesen, sondern ein Mechanismus. Am Markt kann man nur erfolgreich sein, wenn man möglichst viele Konsumentenwünsche anderer Individuen erfüllt. Objektive Kulturgüter gibt es genauso wenig wie das Wesen „Gesellschaft“, denn Kultur kann immer nur subjektiv sein. Für den einen ist etwa ein Fußballspiel des FC Konstanz in der Verbandsliga ein Kulturgut, während der andere die Bücher von Ayn Rand als seinen Kulturschatz hütet. Der Markt ist dabei der beste Anbieter von unterschiedlichen Kulturgütern, da im Prinzip alles angeboten werden kann, wofür es einen Nachfrager gibt.

Was heißt dies nun konkret für die Universitäten?

Nehmen wir als Beispiel den Studiengang Informatik, der über geringe Nachfrage von seiten der Studenten verfügt, während Absolventen dieses Studiengangs am Arbeitsmarkt händeringend gesucht werden. Unternehmen würden an die Unis strömen, um angehende Informatiker für sich zu gewinnen und im Gegenzug ihre Studiengebühren übernehmen. Banken wären eher bereit, einen Kredit zu vergeben, da die Absolventen in spe mit großer Wahrscheinlichkeit über ein hohes Gehalt verfügen würden. Die privaten Hochschulen würden ein besonderes Augenmerk auf diese Fachrichtung haben, da hier ein hohes Renommee mit einem warmen Geldregen verbunden wäre.

Der Markt als Mechanismus würde also die Anreize für die unterschiedlichen Studiengänge der Nachfrage anpassen. Für einen Schüler, der ein Informatikstudium plant, wäre so eine Kosten-Nutzen-Rechnung möglich. Niedrige Studiengebühren und ein fast sicherer Arbeitsplatz mit hohem Gehalt. Für einen Studiengang, der keine bis fast keine Konsumentenwünsche der einzelnen Individuen befriedigen kann (z.B. Gender Studies) sieht es dann genau entgegengesetzt aus.

 

 

Falls Ihr noch weitere Fragen zur Privatisierung der Universitäten habt, dann würden wir uns sehr über Eure Nachricht freuen!